Myanmar – Aufbruch ins Ungewisse

Donnerstag, 24. Januar 2013

18.25 – 19.10 arte
Doku, Erstaustrahlung, Deutschland, 2012, ZDF. Regie: Dariusch Rafiy

Studentenführer Myo Min Htaik vor Shwegadon-Pagode  Bild: ZDF / © Dariusch Rafiy

Nach dem Demokratisierungsprozess Myanmars sind die Sanktionen gegen das Militärregime ausgesetzt; Touristen und Investoren strömen ins Land. Doch was kommt davon bei der Bevölkerung an? Für die Dokumentation “Myanmar – Aufbruch ins Ungewisse” gelang es dem Autor Dariusch Rafiy und seinem Team im Frühjahr 2012, in einem für Ausländer gesperrten Randgebiet Yangons, dem früheren Rangun, zu drehen. In einer Art Momentaufnahme porträtiert der Film die dort lebenden Menschen, deren Alltag vom rasanten Wandel Myanmars nicht unberührt bleibt. (Bild: ARTE / © Medienkontor FFP)

Thein Soe lebt in South Dagon am Rande der südlichen Hauptstadt Yangon. So wie hier wohnen die meisten Menschen in Myanmar: in einfachen Holzhütten, ohne Kanalisation und unter Verhältnissen weit unter der Armutsgrenze. 14 Jahre lang war er Leibwächter und -koch von Aung San Suu Kyi. Kaum ein anderer stand so lange so nah an der Seite der populären Politikerin. Bis die Symbolfigur der birmanischen Opposition 2003 verhaftet und unter Hausarrest gestellt wurde. Zweimal verhaftete man auch Soe als politischen Aktivisten und verurteilte ihn zu einer Gefängnisstrafe. Zweieinhalb Jahre musste seine Frau daraufhin die Familie allein durchbringen.

Soe blieb den Idealen Suu Kyis treu. Er setzt sich bis heute für die Demokratie und Aung San Suu Kyis NLD-Partei ein. Sein Traum ist es, sie wieder zu sehen, um ihr zur Seite zu stehen. Denn inzwischen ist Aung San Suu Kyi gewählte Parlamentsabgeordnete.

Als heimlicher Bürgermeister von South Dagon, einem Stadtteil Yangons, kümmert sich Soe um die Nöte der Menschen, kämpft gegen die staatliche Willkür. Während seiner Besuche bei den Menschen seines Viertels ist zu spüren, wie der Wandel des einst völlig isolierten Landes bei den Menschen ankommt.

Über Soes Freund Zetila, den Abt des örtlichen Klosters, gewährt die Dokumentation Einblick in die religiöse Tradition Myanmars. Der Zuschauer erlebt den Klosteralltag – vom morgendlichen Aufstehen und das Sammeln von Essensspenden bis zum gemeinsamen Gebet. Es waren die Mönche, die 2007 das Land durch ihre Proteste gegen die Erhöhung der Preise in eine tiefe innenpolitische Krise stürzten.

An Soes Seite zeigt der Film, wie sehr die Birmanen einerseits den Buddhismus ehren und ihr Schicksal annehmen, andererseits im ekstatischen Rausch einer Nats-Zeremonie die Erfüllung ihrer Träume suchen. Die Nats sind Zwitter und Mittler zwischen den Welten; sie repräsentieren den archaischen Urglauben der Birmanen.

Den Wandel Myanmars dokumentiert der Film auch aus der Sicht von Myo, einem Mann, mit dem Soe für einige Zeit die Gefängniszelle teilte. Im Zuge einer Teil-Amnestie politischer Gefangener kommt Myo nach 14 Jahren Haft endlich frei. Sein Vergehen: Als Student hatte er sich politisch engagiert und gegen das Militärregime gekämpft. Die Dokumentation begleitet ihn am Tag nach seiner Freilassung, bei seinen ersten unsicheren Schritten in Freiheit.

Die Dokumentation liefert Einblick in die aktuellen Entwicklungen Myanmars und zeigt eine bislang eher unbekannte Welt mit ihren Jahrhunderte alten Traditionen und Bräuchen: eine Welt im Umbruch, die in wenigen Jahren so vermutlich nicht mehr existieren wird.

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