Dritte Welt im Ausverkauf

Dienstag, 19. April 2011

20.15 – 21.45 Arte
Dokumentarfilm, Frankreich 2010, Regie: Alexis Marant

Indische Investoren betreiben in Äthiopien Reisanbau - und schreiben damit Geschichte: Dieses Land wurde noch nie bewirtschaftet. Es ist "grünes Gold". Bild: ARTE F / © Alexis Marant

Mit der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise verschärft sich auch die ungleiche Nahrungsmittelverteilung auf der Welt. Landwirtschaftliche Nutzflächen werden zu profitablen Investitionen. So verkaufen arme Länder Afrikas oder Asiens ihre wertvollen Flächen an Investoren aus reichen Ländern und Schwellenländern und werden immer abhängiger von ausländischer Hilfe. Der Dokumentarfilm zeigt, dass die Zahl der Hungerkatastrophen wächst und sich die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter öffnet.

In den letzten Jahren erschüttern Nahrungsmittel- und Finanzkrisen die Welt. Einige ihrer Nebenwirkungen blieben jedoch trotz ihrer Dramatik bislang weitgehend unbekannt. So gibt es inzwischen einen weltweiten Wettlauf um landwirtschaftliche Nutzflächen. Innerhalb weniger Monate haben 20 Millionen Hektar den Besitzer gewechselt. Und in absehbarer Zukunft werden es noch mehr werden. Diese Zahlen bereiten auch der UNO Sorgen. Jacques Diouf, Vorsitzender der UNO-Organisation FAO , warnt vor dem „Risiko eines neuen Agrarkolonialismus“.

Die Käufer sind Investoren aus reichen Ländern und Schwellenländern wie Japan, China und den Golfstaaten. Sie wollen die Nahrungsmittelversorgung im eigenen Land gewährleisten. Folglich unterstützen die Regierungen ihrer Länder die folgenreichen Transaktionen. Doch auch Banken und Hedgefonds betätigen sich als Käufer, weil sie den Ankauf von landwirtschaftlichen Nutzflächen als rentabelste Kapitalanlage des 21. Jahrhunderts betrachten. So findet seit einiger Zeit ein bisher ungeahnter Ansturm auf die besten Agrarflächen der unterentwickelten Länder statt. Genau in diesen Ländern – im Sudan, in Senegal, auf den Philippinen oder in Pakistan – gab es 2008 große Hungersnöte. Und trotzdem verkaufen Staaten wie Kambodscha oder Äthiopien, die auf internationale Hilfe angewiesen sind, um ihre Bevölkerung zu ernähren, wertvolle Agrarflächen an ausländische Investoren.

Der Dokumentarfilm verdeutlicht, dass der Ankauf von Land ein globales Phänomen ist. In Paris, Rom und New York, in Äthiopien, Argentinien, Uruguay und Saudi-Arabien geführte Interviews mit Investoren und Regierungsvertretern geben Einblick in ein zynisches „Monopoly“-ähnliches Spiel mit dramatischen Folgen. Zu Wort kommen dabei auch Kleinbauern aus den vom Verkauf betroffenen Ländern, die oft ohne Entschädigung enteignet werden.

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