Lachsfieber

Mittwoch, 10. März 2010

23.30 – 00:15 Das Erste
Ein Film von Wilfried Huismann und Arno Schumann, 2010

Massentierhaltung im Meer - 100 Millionen Lachse werden in Chile jährlich gemästet. Ein Riesengeschäft für den Großinvestor John Fredriksen - aber eine Katastrophe für die Umwelt. Bild: WDR/AnaConda Film International

Die WDR-Autoren Wilfried Huismann und Arno Schumann hefteten sich über ein Jahr lang an die Fersen des Großinvestors John Fredriksen. Ihre brisanten Recherchen über den weltweit operierenden Nahrungsmittelgiganten wurden zu einem packenden Öko-Thriller.

In seiner norwegischen Heimat nennt man ihn den „Großen Wolf”. John Fredriksen gehört zu den reichsten Menschen der Welt. Als Reeder gehört ihm nicht nur das weltgrößte Tankerimperium “Frontline”, mit seiner “Marine Harvest” ist er der größte Player im Geschäft mit industriell produziertem Fisch. Seine Firma produziert pro Jahr über 100 Millionen Zuchtlachse in Chile und Norwegen – für die ganze Welt. Ein Geschäft mit schwindelerregenden Wachstumsraten.

Die WDR-Autoren Wilfried Huismann und Arno Schumann hefteten sich über ein Jahr lang an die Fersen des Großinvestors. Ihre brisanten Recherchen über den weltweit operierenden Nahrungsmittelgiganten wurden zu einem packenden Öko-Thriller.

Chile ist ein Paradies für Investoren. Alles, was in Europa durch Umweltgesetze verboten ist, können Unternehmer wie Fredriksen am anderen Ende der Welt tun:
In Chile liegen die Lachsfarmen dicht beieinander, in den 40 Meter tiefen Käfigen tummeln sich doppelt so viele Lachse wie in Europa. Um Seuchen zu verhindern, werden Hunderte Tonnen Antibiotika ins Futter gemischt. Chemikalien und Farbstoffe an den Käfigen und im Wasser führen dazu, dass die Lachse nach 18 Monaten Mast ein chemisch und biologisch belastetes Produkt sind. Wenn die Fjorde vom Abfall der Industrie verseucht sind, hinterlassen Konzerne wie “Marine Harvest” einen ökologischen Friedhof und ziehen weiter gen Süden – in die noch intakte Welt Patagoniens.

Ein ökologischer Alptraum.

Um das Image der Massentierhaltung im Meer zu verbessern, geht Fredriksen im April 2008 eine Partnerschaft mit der größten Umweltorganisation der Welt ein, dem WWF. Für eine Spende von 100.000 Euro pro Jahr darf “Marine Harvest” mit dem Panda-Bärchen des WWF für seine industriell erzeugten Mastlachse werben. Chilenische Fischer werfen dem WWF vor, er habe sich an John Fredriksen verkauft.

Verbindliche Verbesserungen sind in diesem Abkommen nicht festgelegt. Am Lachs-Desaster in Chile hat sich nichts geändert. Wird John Fredriksen einfach so weiter machen? Endlich gelingt es den Autoren, den menschenscheuen Großinvestor in der Einsamkeit der norwegischen Berge zu stellen – beim Lachsangeln …


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